Brixy – Altes Pumpwerk, Mannheim Neckarau

Fertigstellung: 2003 Ort: Mannheim-Neckarau Kategorie: Alle Denkmalschutz und Individualbauten Villen und Wohnhäuser Leistungsphase: 1-8

Ein Industriedenkmal wird zum Gesamtkunstwerk

Das 1903 erbaute Pumpwerk diente ursprünglich zur mechanischen Reinigung der Abwässer von Neckarau und deren Einleitung in den Rhein. Geplant hat den eklektizistischen Klinkerbau der in Stettin geborene Mannheimer Stadtbaudirektor Richard Perrey (1866–1937). 1986 wurde die Anlage stillgelegt. Jahrelang suchten Stadt und Denkmalbehörden nach einer tragfähigen Lösung – Pläne für Gastronomie oder ein Schulungszentrum scheiterten an den Denkmalschutzauflagen.

Im Jahr 2002 kam die Rettung in Person des Künstlers Dietmar Brixy, der gemeinsam mit dem Speyrer Architekten Mathias Henrich den Industriebau mit viel Einfühlungsvermögen in die alte Bausubstanz zu einem Atelier-, Wohn- und Bürogebäude mit 700 Quadratmetern Fläche umwandelte.

Brixy Pumpwerk Außenansicht Brixy Pumpwerk Innenansicht

Planung und Innenarchitektur: Mathias Henrich

Die architektonische Gesamtverantwortung – von der ersten Bestandsanalyse bis zur Ausführung (Leistungsphase 1–8) – lag vollständig bei Mathias Henrich. Er entwickelte sowohl das denkmalkonforme Umbaukonzept als auch die gesamte Innenarchitektur des Gebäudes.

Eine genaue Bestandsaufnahme zu Beginn der Sanierung machte deutlich, dass viele Teile, vor allem die maroden Bauteile in der Kanalisation und in der Dachkonstruktion, von Faulgasen so stark angegriffen waren, dass sie erneuert werden mussten.

Der große Verdienst von Bauherr Dietmar Brixy und seinem Architekten Mathias Henrich ist der sorgsame Umgang mit der Grundstruktur des Gebäudes und der weitgehende Erhalt der Fassaden mit ihrem interessanten Erscheinungsbild.

Eine zentrale planerische Entscheidung war innenarchitektonisch besonders wirkungsvoll: Die Schließung des offenen Mitteltraktes – in dem früher die vorbei fließenden Abwässer beobachtet werden konnten – gab dem Architekten die Möglichkeit, den Mittelteil optimal als Wohn- und Essbereich zu nutzen und ihm gleichzeitig die Funktion eines Grundrissverteilers zu geben.

In der ehemaligen Pumpenhalle wurde eine temporäre Arbeitsebene sowie eine Galerie eingezogen. Die Halle wird heute als Arbeitsatelier und für Präsentationen genutzt.

Bemerkenswert: Das Gebäude wurde so umgebaut, dass es jederzeit wieder als Pumpwerk funktionieren könnte. Im Keller wurden die alten schwarzen Pumpen erhalten, die sich nahtlos in die Innenarchitektur eingliedern und einen bewussten Kontrast zur zeitgenössischen Kunst bilden.

„Das Pumpwerk ist ein Kindheitstraum, ein „Gesamtkunstwerk“ und eine wichtige Quelle der Inspiration für mich“

Dietmar Brixy

Auszeichnungen

Das Projekt wurde mit dem Denkmalschutzpreis der Württemberger Hypo 2004 ausgezeichnet – eine der renommiertesten Anerkennungen für vorbildlichen Umgang mit historischer Bausubstanz im deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wurde das Alte Pumpwerk im Februar 2004 von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats ernannt.

Was dieses Projekt besonders macht

Dieses Projekt zeigt exemplarisch, was möglich ist, wenn ein ungewöhnliches Gebäude auf einen mutigen Bauherrn und einen erfahrenen Architekten trifft: Ein Industriedenkmal, das jahrzehntelang leer stand, wird zu einem lebendigen Ort für Kunst, Wohnen und Inspiration – ohne seinen historischen Charakter zu verlieren.

Video-Rundgang:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen